Meldung vom 03.01.2007 Kauf mit Kreditkarten kann teuer werden

Kauf mit Kreditkarten kann teuer werden
Der Deutsche liebt Kreditkarten. Mit ihnen kann er problemlos Weihnachtsgeschenke auf Pump kaufen oder sich noch schnell zur niedrigeren Mehrwertsteuer einen Computer anschaffen. Die gesammelten Rechnungen bezahlt er erst am Monatsende. Bei einigen Kreditkarten muss er seine Schulden aber selbst dann nicht vollständig begleichen. So genannte Kreditkarten mit Teilzahlungsfunktion erlauben dem Verbraucher, den ausstehenden Betrag in monatlichen Raten zu bezahlen.



Mehr als 22 Mio. Kreditkarten stecken derzeit in deutschen Portmonees. Die Banken verschweigen, wie viele davon mit einer Teilzahlungsfunktion ausgestattet sind. Doch was für den Kunden auf den ersten Blick komfortabel erscheint, entpuppt sich als teures Vergnügen: Für ausstehende Beträge bitten die Banken mit satten zehn bis 17 Prozent Zinsen zur Kasse.

Fast alle namhaften Institute bieten die flexible Zahlweise für ihre Karten an. Auch die Deutsche Bank gibt seit Anfang September mit der WorldFlexCard eine Kreditkarte mit Teilzahlungsfunktion heraus. Der effektive Jahreszins ist bei ihr vergleichsweise niedrig, beträgt aber immer noch 13,92 Prozent. Daher warnen Verbraucherschützer vor Kreditkarten mit Teilzahlungsfunktion. "Weil regelmäßig nur Teilbeträge abgebucht werden, gerät der Kunde schleichend in die Verschuldung", sagt Hartmut Strube, Finanzjurist der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Um hohe Zinszahlungen zu vermeiden, müsse der Karteninhaber den ausstehenden Betrag auf den Tag genau überweisen. "Dieses System funktioniert nach dem Trägheitsprinzip", sagt er. Der Karteninhaber legt beim Abschluss des Vertrages fest, ob er monatlich etwa zehn, 20 oder 50 Prozent des ausstehenden Betrages abbuchen lässt. Je nach Bank müssen es jedoch mindestens zwei bis zehn Prozent der Schulden sein oder aber ein Betrag zwischen 10 und 25 Euro. "Die monatlichen Kosten für die Rückzahlung scheinen dem Verbraucher aber nicht zu hoch zu sein", so Strube.

Doch auch vermeintlich kleine Beträge können sich schnell zu größeren Summen anhäufen. Ein Beispiel: Belastet der Verbraucher seine Kreditkarte mit 1000 Euro und zahlt monatlich nur zehn Prozent zurück, ist er bei der Postbank nach gut zwei Jahren und zusätzlich etwa 94 Euro schuldenfrei - vorausgesetzt natürlich, er zückt bei seinen Einkäufen nicht mehr die Kreditkarte. Aber auch so hat er für die vermeintlich komfortable Teilzahlung ganze 94 Euro an Zinsen gezahlt - ein teures Vergnügen.

In Großbritannien und den USA sind Kreditkarten mit Teilzahlungsfunktion schon lange üblich. Daher sind es vor allem angelsächsische Bankhäuser, die in Deutschland offensiv für ihre Kreditkarten werben. Auch die amerikanische Citibank buhlt mit Extras verstärkt um Kunden. Wer ihre MasterCard Plus bestellt, darf sich auch gleich noch über einen Tankgutschein freuen. Dafür verlangt sie für ausstehende Beträge einen jährlichen Effektivzins von 16,58 Prozent. Zum Vergleich: Der Dispo-Kredit beim CitiBest-Konto kostet 12,27 Prozent effektiven Jahreszins. Ein einfacher Ratenkredit über drei Jahre ist bereits ab 6,67 Prozent zu haben. Berechnungen der Bundesbank zeigen, dass die durchschnittlichen Zinsen sowohl bei Dispo-Krediten mit elf Prozent, als auch bei einjährigen Konsumentenkrediten mit 5,6 Prozent deutlich niedriger liegen, als bei den vielen Raten-Kreditkarten. Deshalb bemerkt Verbraucherschützer Strube: "Für diese Art des Kredites gibt es keine Notwendigkeit, außer der Verbraucher will noch eine Verschuldungsmöglichkeit ausnutzen."

Quelle: Berliner Morgenpost






weitere Kreditkarten News